Wirkung vor Ort
Sensibilisierung
ede Fortschrittskonferenz schuf in den Regionen eine Plattform, auf der sich Soziologen, Philosophen, Theologen, Journalisten, Politik- und Kulturwissenschaftler, Historiker, Dramaturgen, Ökonomen, Kulturmittler und Entwicklungsexperten trafen – Menschen also, die normalerweise selten zusammen kommen, um gemeinsam ein Thema zu diskutieren. Für alle war es eine Herausforderung, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, mit der - über individuelle Vorstellungen und Disziplinen hinaus - Zukunftsfragen verhandelt werden konnten. Am Ende waren sich alle Projektteilnehmer einig, dass die gemeinsame Reflexion inspirierend für ihr jeweiliges Arbeitsfeld war. Sie äußerten den dringenden Wunsch, diesen Dialog im Land weiter zu führen.
I want to thank you for inviting us to an extraordinary get-together which has contributed immensely to international development dialogues on the centrality of the human condition to all dialogues between people. I learnt a lot and for me it has certainly opened my eyes to many aspects of issues which one tends to take for granted.
Shobha Raghuram, Director of the regional office of the Humanist Institute for Cooperation with Developing Countries (HIVOS) in Bangalore, India. Teilnehmerin am Fortschrittsprojekt
Goethe-Institut und GIZ arbeiten seit dem Fortschrittsprojekt mit denselben Teilnehmern zusammen, so dass auch ihre Arbeit vom Input anderer, für beide Organisationen jeweils neuer, Disziplinen profitiert.
Türoffner zum offenen Dialog
adurch, dass die Frage nach dem Fortschritt eng an die politische Situation in der Region geknüpft war, wurde der eigentlich abstrakte Begriff greifbar, höchst aktuell und für jeden relevant. Die Diskussion wurde zum Einfallstor für das Verhandeln politischer und zum Teil hochsensibler Fragen, für einen Austausch zwischen Gruppen, die sich erst nichts und schließlich doch sehr viel zu sagen hatten. Fortschritt wurde zum Synonym für Zukunft und Zukunftsfähigkeit über regionale, religiöse, politische und kulturelle Grenzen hinweg.
Öffentliche Resonanz
ie Konferenzen zogen beeindruckend viel Publikum an, das sich aus jeweils 300 bis 400 Zuschauern zusammensetzte. Vor allem die Veranstaltungen in Bolivien, Indien und Namibia fanden ein großes Medienecho im lokalen und überregionalen Radio, in Zeitungen und Fernsehen. Die wichtigsten Diskussionslinien konnten auf diese Weise einem breiten Publikum nahe gebracht und weiter debattiert werden. Die Konferenzergebnisse wurden in Bolivien in mehreren, komplexen Publikationen dokumentiert, die Ergebnisse der Jugendworkshops an einem Tag der offenen Tür einer großen Öffentlichkeit vorgestellt. In Indien inspirierte das Thema auch andere Institutionen zu Veranstaltungen: zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion in Kalkutta „Fly Over Calcutta: Visions for the Megapolis“ oder einer bengalischen Theaterproduktion zum Thema „Entwicklung und Politik“. Auch Künstler setzten sich mit „Fortschritt“ intensiv auseinander.
Partizipation
n Bolivien konnte sich eine weitere Stimme Gehör verschaffen, die normalerweise aus partizipativen Prozessen eher herausgehalten wird: die der Jugend. Das Ergebnis ihrer Begegnungen war deutlich: es ist gerade kulturelle Vielfalt, die das Land zukunftsfähig macht und deren Bewahrung daher an oberster Stelle stehen muss. Der Beitrag der Jugend wurde der Verfassungsgebenden Versammlung des Landes vorgetragen. Die Jugendlichen wollen auch in Zukunft mehr Mitspracherecht und planen daher, sich auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene in politischen Gruppen zu vereinen und politische Organisationen ins Leben zu rufen.
Wir sind nicht nur dazu da, unsere Wahlstimmzettel abzugeben. Wir sind auch dazu da, Vorschläge zu machen, Antworten zu geben und außerdem für unsere Bedürfnisse und für die der Erwachsenen und Kinder einzutreten.
Juan Carlos (24) aus Cochabamba. Teilnehmer am Fortschrittsprojekt
In Alexandria stand am Ende hitziger Debatten zum Fortschrittsbegriff die Gründung einer NGO. Dieselben Jugendlichen, die zunächst lernen mussten, die Meinung des anderen zu respektieren, schlossen sich nun in ihrem Wunsch zusammen, die Zukunft Ägyptens nicht aus ihren Händen zu geben. Gemeinsam überwanden sie erste bürokratische Hürden und planen nun eigene Projekte, die da ansetzen, wo die Probleme des Landes ihrer Meinung nach liegen: im Umweltschutz und in der Bildung.
In Kairo wurde auf Initiative der Jugendgruppe, die aus Anlass des Fortschrittsprojekts zusammen kam, ein Arbeitsvermittlungsbüro in illegalen Stadtgebieten gegründet. Die GIZ konnte dieses Büro in ihr Stadtentwicklungsprogramm einbinden und hat seit dessen Gründung mehrere Arbeitsuchende Jugendliche vermittelt. Zukunft erhält in sehr praktischer Dimension Einzug.
Umdenken
n Namibia entwickelten sich aus den ersten Dialogplattformen, auf denen der Fortschrittsbegriff diskutiert worden war, Seminare und Veranstaltungen zur Transformation von Konflikten. Prof. Johan Galtung, Träger des Alternativen Nobelpreises, gab viele Impulse, wie es möglich wird, eingefahrene Konflikt neu zu sehen, wie kreative Lösungsansätze gefunden und damit konfliktlastige Situationen friedlich gelöst werden können. In Seminaren zu Friedensjournalismus erhielten Journalisten zum Beispiel Anregungen, wie sie in den Medien Gewalt nicht ver-, sondern entschärfen. Auf diesem Wege leisten sie einen erheblichen Beitrag zur friedlichen und nachhaltigen Entwicklung Namibias.
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Download
Ägypten:
Fortschritts-Magazin
von jungen Menschen
(122 kB)
Namibia:
Peace Journalism
von Johan Galtung
(77 kB)
Besser werden. Welchen Fortschritt wollen wir?
Zeitschrift für Kulturaustausch I/2005
(5,8 MB)
Englisch (6,4 MB)



